15. Januar 2012

Das Lips Institute trauert um Roland Baader

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seinem letzten Buch "Geldsozialismus" stellte er ein Zitat von Ferdinand Lips voran, dem er viele Jahrzehnte freundschaftlich verbunden war und mit dem ihn der gemeinsame Kampf gegen das betrügerische und die (halbwegs) freie westliche Zivilisation bedrohende Papiergeldsystem vereinte. Am vergangenen Sonntag, dem 8. Januar ist der couragierte Philosoph, Nationalökonom und Verfechter des Goldstandards Roland Baader, ein Schüler des großen Friedrich August von Hayek, nach langer, schwerer Krankheit verstorben.

 
Das Lips Institute trauert um einen großen klassisch liberalen Freiheitsdenker und furiosen Kämpfer für gesundes Geld als Fundament einer freien Gesellschaft. Ruhe in Frieden Roland Baader!
 
Ein persönlicher Nachruf von Peter Boehringer findet sich auf Rottmeyer.de.
 
Die Beerdigung von Roland Baader findet auf dem Friedhof Waghäusel-Kirrlach am 19. Januar 2012 um 14 Uhr statt. Waghäusel-Kirrlach befindet sich zwischen Karlsruhe und Heidelberg.

 

  1. Zero
    16. Januar 2012, 00:58 | #1

    Roland Baader hat mit seinen genialen Werken gegen den Sozialismus in jeder Form und für die freie Marktwirtschaft und die natürliche Ordnung dafür gesorgt, die oft absichtlich verkomplizierte Welt der VWL glasklar zu entwirren und allen Freiheitskämpfern eine Vielzahl an logischen und schlagkräftigen Argumenten gegen die keynesianisch verlogene Makroklempnerei an die Hand gegeben. Hiermit hat er gewiss vielen Privatleuten einen unschätzbaren Dienst im Hinblick auf Vermögensschutz, Geldanlage und finanzielle Sicherheit erbracht.

    Was aber unendlich wichtiger ist, ist die Tatsache, dass er maßgeblich und wohl wie kein zweiter im deutschsprachigen Raum dazu beigetragen hat, das Wissen der Austrians zu bewahren und vor allem zu verbreiten und damit eine ganze libertäre Bewegung in Gang gesetzt hat, die dank des Internets unablässig wächst und letztlich sogar zur Gründung einer libertären Partei (der PDV) geführt hat, die die sozialistische Einheitspartei CDUCSUFDPSPDGrüneLinke hoffentlich noch gehörig das Fürchten lehrt.

    Angesichts dieser Verdienste für unsere Gesellschaft und jeden Einzelnen (vor allem für die BWLer, die die VWL bisher meist links liegen gelassen haben), muss der Großteil der erlauchten “Gelehrten” und “Eliten” aus dem Bereich der Wirtschaftswissenschaften zwangsläufig feststellen, dass ein Doktortitel oder eine Professur in diesem Bereich noch lange kein Beweis für vorhandene Qualifikation und schon gar kein Garant für das richtige Einschätzen von volkswirtschaftlichen Zusammenhängen ist.

    Roland Baader möge somit in Frieden ruhen und seine Schriften mögen auch in Zukunft noch viele Köpfe aufklären und erleuchten.

    PS: Allen voran die Bücher “Geld, Gold und Gottspieler” und “Geldsozialismus” sollten eigentlich Pflichtlektüre für jeden BWL/VWL-Studenten sein und sind in Zeiten des internationalen fiat-money-Wahnsinns aktueller denn je.

  2. 16. Januar 2012, 17:35 | #2

    Der Tod Roland Baaders, den ich wie so viele als geistigen Inspirator und väterlichen Freund kennen- und schätzen lernten (in meinem Falle leider nie persönlich, aber durch sehr rege und immer herzliche Korrespondenz) bedeutet für mich ganz persönlich einen sehr großen menschlichen Verlust.

    Ich habe dieser Tage mal wieder sein opus magnum “Geld, Gold und Gottspieler” in den Händen gehalten. Er hatte mir sein Buch, kurz nachdem ich ihn erstmals per E-Mail kontaktiert hatte, im November 2004 geschenkt – “in geistiger Verbundenheit und herzlicher Sympathie”, wie er mir zur Widmung schrieb. Gerade dieses Buch fand eine begeisterte Anhängerschaft – bis hin zu Olli Kahn. Ich selbst habe es immer wieder gerne verschenkt, u.a. auch einmal, wie ich mich entsinne an den jungen Schweizer Ron-Paul-Sympathisanten Lukas Reimann, einem der ganz wenigen Politiker, die noch Bücher lesen und auf ihre eigene Urteilskraft vertrauen, anstatt sich auf Parlamentsvorlagen und wissenschaftliche Mitarbeiter zu verlassen. Lukas gehört inzwischen zu den Initiatoren einer Goldfranken-Bewegung, die ganz nach dem Geschmack des Goldfreundes und Schweiz-Liebhabers Roland Baader wie auch des von diesem sehr geschätzten kongenialen publizistischen Mitstreiters an der Gold-Front, des Zürcher Privatbankiers Ferdinand Lips, gewesen wäre.

    Wer diesen wunderbaren Menschen (und sei es nur auf korrespondierendem Wege dank des Internets) kennenlernen durfte, darf sich geehrt fühlen. Das erste Buch aus seiner Feder hielt ich schon als Schüler (das muß etwa im Jahre 1993 gewesen sein) in der Hand. Es hieß “Die Euro-Katastrophe” und leistete mir seinerzeit bei Debatten in meinem extrem linken Bad Cannstatter Gymnasium unschätzbare Dienste, zu einer Zeit, als nur wenige Bundesbürger begriffen, daß das, was damals unter den Chiffren “Maastricht” und “ECU” angebahnt wurde, nicht weniger war als ein Anschlag der politischen Eliten dieses Landes auf Freiheit, Wohlstand und Bürgerrechte, ein kalter Staatsstreich in Zeitlupe, der eigentlich zwingend einen Hochverratsprozeß gegen Kohl und Konsorten hätte nach sich ziehen müssen wenn a) wenigstens bei großzügiger Auslegung die BRD ein Rechtsstaat (zu fraglichem Zeitpunkt noch gewesen) wäre und b) “Rechts-Staat” nicht ohnehin ein Oxymoron wäre (zur Zeit befindet sich auf der Erdoberfläche nicht ein einziger). Zu diesem ökonomischen Vabanquespiel dessen Folgerichtigkeiten einer Unifizierung Europas er exakt vorhergesagt hatte lieferte mir Roland Baader meine beste argumentative Munition, weil auf stringent klassisch liberalem Fundament stehend und eben nicht aus einem irgendwie ranzig-nationalistischen Sumpf köchelnd.

    Roland Baader hat mir mit seinen mich im Laufe der Jahre immer stärker prägenden Büchern (die ich nahezu alle besitze) sehr geholfen, mich ökonomisch, geistesgeschichtlich und sozialphilosophisch zu schulen und den bis zum heutigen Tage unstillbaren Wissenshunger zu wecken. Durch ihn entdeckte ich das Gedankengebäude der “Österreichischen Schule der Nationalökonomie”, fing an Ludwig von Mises zu lesen (meine “Einstiegsdroge” war, wie könnte es anders sein, das von ihm brillant editierte Mises-Brevier, ein Kleinod das inzwischen auch vergriffen ist und einer Neuauflage harrt) und steckte bald dann meinerseits wieder andere junge Freunde mit Baaderscher Begeisterungsfähigkeit an. “Schon große Flamm’ von Fünklein kam” heißt es bei Ulrich von Hutten – von Roland Baaders Freiheitsfunken wurden viele entflammt! Daß es heutzutage “in diesem unserem Lande” überhaupt wieder eine vitale “Szene”, oder besser gesagt ein geistiges Kraftfeld von Streitern für einen entschiedenen, intellektuell kompromißlosen Liberalismus gibt, der anders als neoliberal-staatstragende Ökonomen und das “middle-of-the-road”-Gesindel von der FDP sich eben nicht in jede Hose macht, die man ihm hinhält, verdankt sich zum allergrößten Teil dem verdienstvollen und schöpferischen publizistischen Wirken dieses badischen Freigeists. Auch, weil er keinen abgehobenen akademischen Stil pflegte, sondern deftig, unerschrocken und herzhaft in die Tasten griff. Und, wie ich dann in unserem E-Mail-Verkehr immer wieder mit Verzücken feststellte, auch über jede Menge Humor verfügte, trotz dem er sehr unter seiner schweren Krankheit zu leiden hatte.

    Sehr schätzte ich als Marktanarchist am Minimalstaatler Roland Baader zudem, daß ihm auch jede (sonst hierzulande in neoliberalen Kreisen weitverbreitete) bräsige Attitüde im Umgang mit jenen Freiheitsfreunden, die noch einen Schritt weitergingen als er, vollkommen abging. Anarcho-Kapitalisten-Bashing war seine Sache nicht, wie folgendes Zitat belegt:

    “Die sogenannten Anarchokapitalisten, die in den USA – auch unter den
    Wissenschaftlern der Ökonomie – eine wachsende Fraktion bilden, haben die
    besseren Argumente als die Minimalstaatler, zu denen auch ich mich zähle. Was
    die Minimalstaatler davon abhält, den Vertretern des Null-Staates zu folgen,
    sind nicht die schlüssigeren Argumente, sondern fast ausschließlich
    Bauchschmerzen, die wir bei dem Gedanken empfinden, auch die innere Sicherheit
    und das gesamte Rechtswesen privaten konkurrierenden Unternehmen anzuvertrauen.

    Ob diese Bauchschmerzen berechtigt sind, daran läßt die Tatsache, daß das
    “demokratische Jahrhundert” zugleich das Jahrhundert der größten Kriege der
    Menschheitsgeschichte gewesen ist, einige Zweifel aufkommen. Ebenso die
    Tatsache, daß die Allgemeine Wehrpflicht erst im Gefolge der Verherrlichung der
    “Volkssouveränität” in der Französischen Revolution die Weltbühne betreten hat,
    ein Umstand, der die großen, totalen Kriege erst möglich gemacht hat. (Man
    erinnert sich an das Diktum von Napoleon, der nach der Einführung der
    Allgemeinen Wehrpflicht in Frankreich gesagt hat: “Jetzt sind Soldaten weniger
    wert als Dreck.”) Doch ist dieser akademische Streit insofern ohne Belang als
    wir alle in Maximalstaaten leben und himmelweit vom Minimalstaat entfernt sind.
    Und die Machtkalküle der politischen Kaste, sowie das Desinteresse und die
    Unwissenheit der Bürgerschaft werden dafür sorgen, daß dies auch so bleibt.”

    Am meisten bedaure ich, daß ich nicht das Glück hatte, ihn einmal von Angesicht zu Angesicht kennenzulernen, denn von allen Freiheitsdenkern hat mich keiner so stark geprägt wie der Drachentöter aus Waghäusel, dessen wirksamste Waffe gegen den wuchernden Leviathan seine spitze Feder war. Ich kann mich noch daran erinnern wie ich einmal ziemlich niedergeschlagen ihm von einer ziemlich drögen Veranstaltung der unter der Ägide von Gerhard Schwarz noch weichgespülteren Hayek-Gesellschaft mit dem unsäglichen Zentralbank-Apologeten Prof. Ernst Baltensperger berichtete und schrieb “Das sind ja alles Warmduscher dort” worauf er mir meine nächtliche Mail umgehend innerhalb von wenigen Minuten mit den Worten beantwortete: “Ich ergänze: Weicheier!” und dann noch ein paar aufmunternde Worte für mich parat hatte.

    Aus Sympathie für ihn habe ich auf Facebook gemeinsam mit einigen Gleichgesinnten die Autorenseite “Roland Baader” eingerichtet, um seine Schriften, Bücher, Artikel, Essays etc. zu bewerben. Er hat sich sehr darüber gefreut, auch über meine Nachricht, daß wir am Lips Institute sein jüngstes Buch “Geldsozialismus” bewerben.
    Wenn in Amerika jemand gefragt wird, wie er zum klassischen Liberalen/Libertarian wurde, sagt er oder sie in 9 von 10 Fällen, der erste Zugang war Ayn Rand: “It usually begins with Ayn Rand”. Im deutschsprachigen Raum gilt für mich wie für die allermeisten meiner Freunde “Es begann mit einem Buch/einem Essay von Roland Baader.”

    Vor dem unsterblichen Lebenswerk dieses Mannes, einer außergewöhnlichen Persönlichkeit von einem Format, wie man es heutzutage kaum mehr anzutreffen vermag, verneige ich mich!

  3. Urs Bleyli
    16. Januar 2012, 19:19 | #3

    “Ein liberaler Antiintellektueller

    Am 8. Januar 2012 ist der deutsche Ökonom und Publizist Roland Baader nach langer Krankheit verstorben.

    Am 8. Januar 2012 ist der deutsche Ökonom und Publizist Roland Baader nach langer Krankheit verstorben. Er hatte bei Friedrich August von Hayek in Freiburg Ökonomie studiert und widmete sich nach dem Verkauf seines Unternehmens ab 1988 voll der Publizistik. Dank seinem kämpferischen und bewusst unakademischen Schreibstil ist Roland Baader für viele jüngere kompromisslose Freunde der Freiheit zu einer Art Vaterfigur geworden.

    Während die Österreichische Schule der Nationalökonomie mit ihren bekanntesten Vertretern, Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek, an den europäischen Universitäten, wenn überhaupt, nur ideengeschichtlich vermittelt wird, gibt es inzwischen verschiedene Meinungsträger, die von der Aktualität und Zukunftsträchtigkeit ihres erkenntnistheoretischen und auch wirtschafts- und finanzpolitischen Ansatzes überzeugt sind. Diese Überzeugung wird zunehmend auch in die mediale und akademische Diskussion eingebracht. Baader ist es als akademischem Aussenseiter in seinen Büchern und Artikeln gelungen, den entscheidenden und politisch aktuellen Kern dieser ebenso rationalitätskritischen wie staatsskeptischen Denkmethode vereinfacht, doch unverfälscht darzustellen. Die Österreichische Schule ist heute für viele zum eigentlichen Gegenpol jener Alt-68er Doktrinäre geworden, die unter dem Einfluss der Frankfurter Schule immer noch an einen Primat der Politik und an eine Verbesserung der Menschen durch demokratisch legitimierten Zwang glauben. Baader verfasste Texte, die mit der richtigen Mischung von Allgemeinverständlichkeit, Engagement und Kampfgeist auch eine jüngere Leserschaft zu begeistern vermochten.

    Schon wenige Stunden nach der Bekanntgabe seines Hinschieds kam es auf dem Internet zu einer eigentlichen Lawine von sehr persönlichen Würdigungen. Es ist zu wünschen und zu hoffen, dass sein liberales Vermächtnis auch über diesen kleineren Kreis hinaus wirksam bleibt.

    Robert Nef”

    (Publiziert in der Neuen Zürcher Zeitung vom 14. Januar 2012)

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