13. Mai 2012

 

Hayek lesen: Freies Marktgeld statt staatlichem Zwangsgeld!

 

via Forum Ordnungspolitik

 

Entnationalisierung des Geldes durch Wettbewerbswährungen      
 

Reform des Geldwesens

CoverGeld ist ein friedens- und gesellschaftsstiftendes Gut. Es verbindet unterschiedliche Menschen und  koordiniert ihre Bedürfnisse, zugleich ermöglicht es eine effektive Verfolgung keineswegs immer monetärer Lebensziele. Die wiederholte Pervertierung des Geldes durch Regierungen und staatliche Zentralbanken hat die Menschheit in den Abgrund blicken lassen; während des Ersten und Zweiten Weltkrieges, die ohne das Geldmonopol der Regierung nicht hätten geführt werden können, und der Hyperinflation haben ungezählte Menschen diesen Abgrund durchschritten, viele sind dort liegen geblieben. Aber auch in weniger dramatischen Zeiten richtet das Staatsmonopol unüberschaubaren Schaden an. Friedrich August von Hayek urteilte 1976 in seiner ein Jahr später ins Deutsche übersetzten Schrift „Entnationalisierung des Geldes“: „Die Abschaffung des Geldmonopols der Regierung sollte der Abfolge akuter Inflationen und Deflationen ein Ende machen, die während der vergangenen sechzig Jahre die Welt geplagt haben.“
 
Hayeks Alternative ist gleichermaßen einfach wie bestechend: Wettbewerbswährungen sollen an die Stelle des Staatsmonopols treten – mit anderen Worten Freihandel mit Geld und Freihandel bei der Ausübung aller Bankgeschäfte! Um der Regierung das Notenmonopol zu entziehen, ist es „lediglich“ erforderlich, dass sich Deutschland und ggf. die übrigen Länder der Europäischen Union vertraglich verpflichten, den Freihandel mit Geld und bei der Ausübung aller Bankgeschäfte sofort und ohne Hindernisse für jede gesetzlich niedergelassene Bank in ihrem Territorium zuzulassen. Ein derzeit wenig wahrscheinliches, aber gleichwohl erstrebenswertes Unterfangen.
 
Ausgangspunkt der hayekianischen Reform des Geldwesens sind die Erkenntnisse der Österreichischen Schule der Nationalökonomie über den Konjunkturverlauf. Boom und Rezession sind demnach unmittelbare Folge des staatlichen Geldmonopols. Über die zentralplanerischen Steuerungsversuche der Geldmenge und des Zinses kommt es zu einer inadäquaten Versorgung der Wirtschaft mit Geld, einer relativen Verzerrung der Preise und einer intertemporalen Störung von Konsum und Produktion. Hayek konzediert, dass der Goldstandard trotz aller Unvollkommenheiten das einzig tragbare System ist, solange das Geldmonopol in Regierungshänden liegt. Nahezu 200 Jahre sorgte der Goldstandard für die relativ beste Stabilität. Mit dem Abgehen vom Goldstandard war dem Verfall der Währungen Tür und Tor geöffnet. Gleichwohl möchte er sich nicht mit dem Goldstandard zufrieden geben, da Besseres erreichbar sei. Was für alle Güter gilt, die ausschließlich in Staatshand lagen und dann marktwirtschaftlich erbracht werden, möchte der Nobelpreisträger auch für das Geld gelten lassen: Bisher hatten wir immer schlechtes Geld, weil Privatunternehmen uns kein Geld geben durften. Es wäre zu schön, so Hayek, nicht auf das Wohlwollen der Regierung angewiesen zu sein, sondern davon, dass die Banken ihr eigenes Interesse verfolgen.
Die periodisch wiederkehrende Massenarbeitslosigkeit „erweist sich voll und ganz als das Ergebnis einer Regierungspolitik, die die Privatwirtschaft daran gehindert hat, sich frei zu entwickeln und sich mit einem Geld zu versorgen, das Stabilität sichern würde.“ urteilt der Österreicher. Über die Massenarbeitslosigkeit hinaus ist Inflation das zweite Grundproblem, das untrennbar mit dem geldpolitischen Staatsdirigismus verbunden ist. Inflation beschädigt bereits in geringer Dosis die  Funktionsunfähigkeit einer Marktwirtschaft. Die relativen Preise werden verzerrt, Ressourcen und Investitionen fehlgeleitet, Rezession und Arbeitslosigkeit hervorgerufen. Inflation wirkt wie eine unkontrollierbare Steuer, die besonders die Armen trifft. Eine Reform des Geldwesens ist also ökonomisch und moralisch gut begründet. Das Regierungsmonopol auf Geld hingegen nicht. Historisch lässt es sich begründen, aber sachlich? Staatsgeld war stets ein Prärogativ; es wurde nicht mit dem Argument verschleiert, dass es der Allgemeinheit diene, sondern war stets Herrschaftsinstrument und -mittel, eben ein grundlegendes und selten hinterfragtes Element der Regierungsgewalt. Es erstaunt folglich nicht, dass staatliches Monopolgeld einher geht mit den typischen Monopolproblemen: den Zwang zum Nutzen (Fiat money, d.h. Zwangsgeld) – auch oder zumeist unbefriedigender Produkte – und  zugleich die Verhinderung, neue zu entdecken. Wettbewerbswährungen haben zudem den Vorteil, dass sie dem scheinbar endlosen Wachstum der Staates und seiner Eingriffsmacht Ketten anlegen. Zugleich üben sie eine politische Schutzfunktion aus – Wettbewerbsgeld ist mit totalitärer Macht unvereinbar.

Mit einer solchen Reform sind mehrere Ziele verbunden. Hauptziel ist es, der verbreiteten Manipulation der Währung aus politischen Gründen ein Ende zu setzen. Dies bedeutet im Einzelnen, die Vertuschung von Geldentwertung zu beenden und den Abfluss von Geld, Kapital und anderen Ressourcen ohne Einschränkung zuzulassen. Diese vollständige Bewegungsfreiheit erfolgt über prinzipielle Erwägungen hinaus auch, um Politiker zu einer besseren Wirtschaftspolitik zu zwingen. Das übliche Verfahren, anderen Ländern schlechte Standards aufzuerlegen, um sich vor unliebsamer Konkurrenz – aktuell etwa seitens der Schweiz und Liechtensteins – zu schützen, wäre dann aussichtslos.

Bezeichnender Weise wäre mit der Entnationalisierung des Geldes zugleich ein Beitrag zum Bürokratieabbau verbunden. Bürokratieabbau ist nur möglich, wenn sich der Staat von Aufgaben tatsächlich trennt. Verringert sich der Umfang des Staates, so kann auch das Budget verringert werden. Die permanent defizitäre Ausgabenpolitik der Regierungen ist einer der Gründe für die Zentralisierung der Regierungsmacht und die Einführung wie das Festhalten an einem staatlichen Zwangsgeld ohne Konkurrenz zuzulassen. Hayek formuliert dies wie folgt: „Nichts kann erwünschter sein, als der Regierung die Macht über das Geld zu nehmen und so dem anscheinend unwiderstehlichen Trend zu einem beschleunigten Anwachsen des von ihr beanspruchten Anteils am Volkseinkommen Einhalt zu gebieten.“
Wir können Hayeks Argumentation noch ein weiteres gewichtiges Argument entnehmen. Staatsführungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie den marktwirtschaftlichen Steuerungsmechanismus – das Preissystem – schwerwiegend stören. Mit der Aufhebung des staatlichen Geldmonopols wäre ein entscheidender Störfaktor ausgeschaltet, der sich heilsam auf den Preismechanismus auswirken sollte. Künftig muss Geld mindestens so gut sein, wie das einer konkurrierenden Institution. Im Wettbewerb der Währungen würde der Selektionsprozeß solange andauern, bis die besten Institute entdeckt wären, die Geld ausgeben. Ungeeignetes und wertloses Geld würde verdrängt werden. Hayek betont, dass die Aufgabe des monetären Managements nicht in einer vorausbestimmten Geldmenge liegen kann, sondern „lediglich im Auffinden der Geldmenge, bei der die Preise konstant bleiben.“ Und das – die optimale Geldmenge – kann keine Behörde, sondern nur der Markt bereitstellen.
Der Wettbewerb dürfte wie in allen anderen Bereichen einer freien Marktwirtschaft auch, das wirksamste Verfahren sein, die Institutionen dazu zu zwingen, den Wert ihres Geldes konstant zu halten. Bezugspunkt für den Geldwert wäre ein von den Instituten festgesetztes Güterbündel. Dieser marktwirtschaftliche Wettbewerb ist wirkunsgvoller als jedwedes Regierungsmonopol mit der üblichen Palette an Regulierungs- und Steuerungsmitteln. Das liegt schon daran, dass der Wettbewerb von den Medien scharf überwacht werden würde. Jede Geldwertverschlechterung würde von einer Heerschar Beobachter in Finanzmedien sofort festgestellt und angeprangert werden. Im Ergebnis würde vom Publikum das beste Geld ausgewählt werden, und zwar viel besseres Geld als es Regierungen je bereitstellen können.

„Wenn die Öffentlichkeit einsähe, welchen Preis sie mit der periodischen Inflation und Instabilität für die Bequemlichkeit zahlt, bei den gewöhnlichen Geschäftstransaktionen nur mit einer Geldart umgehen und nicht gelegentlich überlegen zu müssen, ob der Gebrauch einer anderen als der gewohnten Geldart vorteilhafter wäre, dann würde sie diesen Preis wahrscheinlich als viel zu hoch ansehen.“ folgert Hayek. Den Menschen klar zu machen, dass ihr Elend von der Inflation herrührt, deren Ursache wiederum im Staatsversagen begründet ist, zählt zu den herausragenden Aufgaben unserer Zeit. Ob sich ein Goldstandard  als wettbewerbsfähigste Währung herausstellen würde?.

Quelle: Friedrich August von Hayek: Entnationalisierung des Geldes. Eine Analyse der Theorie konkurrierender Umlaufmittel, 1. Aufl. Tübingen 1977.

Jetzt wieder erhältlich bei Buchausgabe.de

 

Hier schon einmal aktuell zur erfreulichen Neuauflage die Stimme des begeisterten Lesers Frank Schäffler:

 

 

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