21. September 2011

Roland Baader: Geldsozialismus

 

Nur wer den Zusammenhang von Geld- und Gütermenge begreift, wer die Bedeutung des Sparens und des Aufnehmens von Schulden für Investitionen im gesamtwirtschaftlichen Zusammenhang versteht, kann die Ursachen der Weltwirtschaftskrise erkennen. Diesen Zusammenhang beschreibt der weltweit bekannte Nationalökonom Roland Baader in seinem neuesten Buch Geldsozialismus – Die wirklichen Ursachen der neuen globalen Depression.

Baader hatte schon 2004 die 2007 beginnende Finanzkrise in dem Buch Geld, Gold und Gottspieler – Am Vorabend der nächsten Weltwirtschaftskrise prognostiziert. Doch im Moment sonnen sich die Beteiligten in Wirtschaft und Politik in einer – wie es heißt – konjunkturellen Erholung. Die kann deshalb stattfinden, weil mit Bürgschaftsversprechungen der Staatsbankrott einiger europäischer Staaten aufgeschoben worden ist. Die Quittung wird kommen und zwar umso kräftiger, wenn die Bürgschaften eingelöst werden müssen. Dann werden auch die Bürgschaftsgeber in den Strudel einer verkehrten Geldpolitik geraten.

Die Ursache der Misere, so schreibt Roland Baader, ist das ungehemmte Schuldenmachen. Es wird als Erfolg gefeiert, dass die Neuverschuldung geringer ausfällt als früher. Es werden aber immer noch neue Schulden gemacht. Der entstandene Brand, so Baader, wird mit Benzin gelöscht. Das ist möglich, weil die Staaten als Hauptschuldenmacher über das Geldmonopol verfügen. Die seit Jahrhunderten erprobte Binsenweisheit, dass Monopole schaden, wird bei dem sensibelsten Gut einer Marktwirtschaft missachtet, bei dem Geld. Seine Menge und sein Preis werden zentral festgelegt. Damit wird die freie Marktwirtschaft sozialistisch gesteuert, was damit genauso zum Fiasko führt, wie eine insgesamt sozialistisch gesteuerte Wirtschaft. Es dauert nur etwas länger.

Doch so wie die Staaten immer ungehemmter Schulden auf Grund der "Ozeane aus Papier- und Kreditgeld" machen, steigt auch die Verschuldungsbereitschaft der Bürger. Neben dem geschichtlichen Rückblick beschreibt Baader die volkswirtschaftlichen Zyklen, die durch Stimulieren der Nachfrage und durch falsche Zinshöhe irreparable zukünftige Schäden anrichten, um momentane Erfolge zu verbuchen. Die Schuldigen werden woanders gesucht, z. B. bei den Chinesen. Am Schluss dieses bemerkenswerten Buches zeigt Baader Lösungsverschläge auf. Es gibt nur einen Weg und zwar: sich von der Ideologie des Sozialismus auch in der Geldpolitik zu trennen. Dieses Buch, Baaders sechzehntes, ist der vielleicht letzte und zutiefst aufrüttelnde Warnruf des großen Freiheitsdenkers deutscher Sprache.


Geldsozialismus. Die wirklichen Ursachen der neuen globalen Depression

 

Autor: Roland Baader

Paperback, 168 Seiten
ISBN: 978-3-935197-57-1

  1. Hennig
    12. Dezember 2011, 18:43 | #1

    Deutschlands profundester und zugleich populärster Freiheitsdenker Roland Baader – seit Jahrzehnten schon DIE kraftvolle Stimme eines kompromißlosen, entschiedenen und von daher mit der prinzipienlosen FDP nicht zu verwechselnden Liberalismus – hat mit “Geldsozialismus” (und zuvor schon mit “Geld, Gold und Gottspieler”, in welchem er mit analytischer Schärfe die Krise des Weltfinanzsystems vorhersagte) die fulminanteste Kampfansagen an herrschende keynesianische und monetaristische Irrlehren einer staatsfrommen Voodoo-Ökonomie vorgelegt. Immer mehr Menschen verstehen vornehmlich dank seiner unermüdlichen Aufklärungsarbeit, daß unser Geldsystem ein auf uneinlösbaren Versprechen und Täuschungen aufgebautes Scheingeldsystem ist, daß es auf Illusionen und falschen Erwartungen beruht. Unser Geld ist krank. So krank wie unsere Gesellschaft. Wer Zentralismus, Planwirtschaft und Zwang im Geldwesen erhalten will, betreibt nicht mehr und nicht weniger als den Zusammenbruch unserer westlichen Zivilisation. Was nottut ist eine fundamentale Geldreform an Haupt und Gliedern, hin zu einem freien Marktgeld. Baaders im Geiste der “Österreichischen Schule der Nationalökonomie” verfaßte Werke weisen den Weg einer Abkehr vom gescheiterten “fiat money” hin zu mehr Freiheit und einem echten Geld, das nicht auf einem betrügerischen Zentralbank- und Teilreservesystem beruht.

  2. Frank Reibold
    19. Dezember 2011, 14:12 | #2

    Dieses Buch diskutiert laut Untertitel “die wirklichen Ursachen der neuen globalen Depression”.

    Zunächst wird erläutert, was Geld ist (nämlich ein allgemein anerkanntes Tauschmittel) und wie es entstand (spontan auf dem Markt). Als der Staat das Geld für sich entdeckte, ging es bergab. Für eine Geschichte des staatlichen Missbrauchs des Geldes wird auf das sehr empfehlenswerte Buch Creveld: “Aufstieg und Untergang des Staates” verwiesen.

    Im weiteren Verlauf werden die Themen Schulden, Konjunktur, Geldpolitik, Rettungsmaßnahmen sowie Inflation und Deflation diskutiert. Dazu werden durchweg die Methoden der so genannten “österreichischen Schule” der Volkswirtschaftslehre eingesetzt. Die staatliche Geldpolitik der Zentralbanken erzeugt die Konjunkturzyklen und führt zu Inflation (selten Deflation). Die Geschichte zeigt, dass Rezessionen ohne Eingriff des Staates sehr schnell abklingen. Auch die Weltwirtschaftskrise wurde erst durch die amerikanische Regierung eine Depression (durch einseitige Bevorzugung der Gewerkschaften, hohe Steuern und Konjunkturprogramme sowie die undurchsichtigen Vorschriften des “New Deal”, welche Unsicherheit erzeugten und somit Investitionen verhinderten). Staatliche Geldpolitik nützt nur dem Staat (Finanzierung von Wahlgeschenken) und wichtigen Interessengruppen (“derzeit kommt der Großbetrug im Gewand der menschengemachten Klimakatastrophe daher”). Sie stört die relativen Preise, entwertet das Geld, erzeugt Krisen und Arbeitslosigkeit sowie führt zur Verarmung der Mittelschicht durch Vergrößerung der Schere zwischen Arm und Reich.

    Leider rufen heute wieder viele Wirtschaftswissenschaftler nach Konjunkturprogrammen, obwohl deren destruktive Wirkung längst bewiesen ist. Deshalb beschäftigt sich das Buch auch mit der Beziehung zwischen Politik und Wirtschaftswissenschaften und diskutiert die Unterschiede zwischen Keynesianern (Keynes , Krugman), Monetaristen (Friedman) und “Austrians” (Mises, Hayek). Die Nicht-Austrians wollen auf dem Gebiet des Geldes die Gesetze der Volkswirtschaftslehre ignorieren, weil sie die Zusammenhänge zwischen dem Handeln der Menschen (Mikroökonomie) und den gesamtwirtschaftlichen Erscheinungen wie z. B. Arbeitslosigkeit und Wirtschaftswachstum (Makroökonomie) nicht begreifen; sie werden deshalb als “Geld-Spinner” (North) bezeichnet.

    Man kann die Argumentation des Buches dahin gehend zusammen fassen, dass die Welt vom monetären Sozialismus beherrscht wird. Dessen “morsche Pfeiler” sind billiges Geld und Zinsen. Angesichts des vorgeblichen Marktversagens werden Rufe nach mehr Staat laut. Am Ende der Bestrebungen der 68er wird eine Weltregierung mit Weltzentralbank stehen.

    Glücklicher Weise gibt es auch einige freiheitliche Stimmen, die Mut machen, z. B. von Bonner, Schiff, Hülsmann, Bagus, und Salin. In den USA gehört mit Ron Paul sogar ein Politiker zu den Aufrechten.

    Eine Lösung des Problem ist nach Hayek nur in einer “Entnationalisierung des Geldes” zu finden. Das Geldmonopol des Staates muss beseitigt werden. Dann werden die Leute wahrscheinlich wieder Edelmetalle (Gold und Silber) verwenden und Banknoten nur Zertifikate für hinterlegte Münzen sein.

    ***

    Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Auf Fragen der Regulierung (z. B. Fannie und Freddie) wird nur kurz eingegangen, weil der “Geldsozialismus” das Hauptproblem ist. Das Buch ist zwar streng wissenschaftlich, aber die Sprache ist oft polemisch. So liest man z. B: “Das Ausmaß einer Depression entspricht den staatlichen Anstrengungen, sie zu verhindern.” (Bonner) / “Jedes Volk hat die Ökonomen, die es verdient.” (Taghizadegan) / “Zusätzlich grassiert der polit-ökonomische Keynes-Virus als eine Art Aids des Kapitalismus” (Baader) / “Und die diesem System entsprechende Nationalökonomie ist keine Wissenschaft mehr, sondern ein Voodoo-Quacksalbertum von beschämender Ignoranz.” (Baader).

    Zu den wichtigsten Themen wird am Ende des Buches auf folgende Literatur verwiesen:

    * Geld und Geldpolitik -> Baader: “Geld, Gold und Gottspieler” / Hülsmann: “Ethik der Geldproduktion”
    * Weltwirtschaftskrise -> Murphy: “The Politically Incorrect Guide to the Great Depression and the New Deal” / Rothbard: “America’s Great Depression”
    * Finanzkrise -> Woods: “Meltdown” / Hochreiter: “Krankes Geld – kranke Welt”

    Ansonsten werden die “Austrians” empfohlen, z. B. Hayek, Mises, Rothbard und Sennholz.

  3. Fred Liberal
    27. Dezember 2011, 22:46 | #3

    Noch ein schönes Zitat von Roland Baader aus “Das Kapital am Pranger” gefunden:

    ‎”Betrachten wir Deutschland doch einmal mit “kapitalistischen Augen”. Wir erkennen ein Land mit einem staatlichen (dh. sozialistischen) Rentensystem, einem staatlichen Gesundheitswesen, einem staatlichen Bildungswesen, mit staatlich und gewerkschaftlich gefesselten Arbeitsmärkten, einem konfiskatorischen Steuersystem, einer Staatsquote von über 50%, mit einem erheblich regulierten Wohnungsmarkt, einem massiv subventionierten und regulierten Agrarsektor und einer in einem kompliziertes Geflecht zwischen Markt und Staat eingebundenen Energiewirtschaft, mit mindestens Hunderttausend Betrieben in “kommunalem Eigentum” (d.h. Staatseigentum) und einem staatlichen Papiergeldmonopol, ja sogar mit einem Staatsfernsehen samt Zwangsgebühren. Wir erkennen ein Land, in dem fast 40% der Bevölkerung ganz oder überwiegend von Staatsleistungen lebt und in welchem das gesamte Leben der Bürger von staatlichen Regelungen überwuchert ist. Wer diesen 80%-Sozialismus als Kapitalismus bezeichnet, muss mit ideologischer Blindheit geschlagen sein. Und wer gar von Turbo- oder Raubtierkapitalismus redet, den muss der Verstand ganz verlassen haben (oder die panische Angst vor dem Machtverlust zu verbalen Veitstänzen getrieben haben).” — Roland Baader

  4. Rossi
    30. Dezember 2011, 10:08 | #4

    Passendes Zitat aus dem Buch, das ich auch nur sehr empfehlen kann:

    „Prinzipiell bedeutet der politische Masterplan, den Einsturz des Finanzsystems mit weiteren astronomischen Geld- und Kreditsummen aufhalten zu wollen, nichts anderes als Kapitalvernichtung in ungeheuerem Ausmaß und das Löschen von Feuer mit Benzin. Er hat ferner die Konservierung von längerfristig unhaltbaren Produktions- und Finanzstrukturen auf Kosten effizienterer Unternehmen zur Folge, die Prämierung von Hasardeuren mit dem Geld aus den Ersparnistöpfen fleißiger Bürger, die Vergeudung von Vorsorgevermögen zugunsten maroder und korrupter Polit-Finanz-Komplexe, die Zwangsüberschuldung ganzer Generationen zugunsten verschwenderischer Bankrotteure, die millionenfache Subventionierung sinnloser Tätigkeiten zu Lasten unterbleibender effizienter Arbeitsleistungen – und nicht zuletzt die schleichende Sozialisierung der Wirtschaft und den mit dem Etikett „Notwendige Kontrollen“ getarnten Marsch in den totalen Staat.“ – Roland Baader, „Geldsozialismus. Die wirklichen Ursachen der neuen globalen Depression“

  5. Henrik Rotsolk
    10. Juni 2012, 01:19 | #5

    Mangelnde Deutlichkeit kann man dem Autor keineswegs vorwerfen. Wie immer verleiht er seinen messerscharfen Gedanken mittels klarer und präziser Sprache Ausdruck. Im Sinne einer Ursachenforschung werden die Rolle der Zentralbanken und die Gründe für die aktuelle Schuldenkrise beleuchtet. Schließlich erfahren Begrifflichkeiten wie Inflation und Deflation eine korrekte Definition. Teilweise durchaus wütend bis zornig, aber immer auf die ihm eigene Art und Weise aufrüttelnd, legt Baader den Finger in die vielzitierte Wunde. Erfreulicherweise lässt er es nicht bei einer Generalkritik bewenden, sondern zeigt wissenschaftlich fundierte Lösungsmöglichkeiten auf. So erfährt der Leser eine Einführung in die „Österreichische Schule der Nationalökonomie“ (Austrians). Baader verlangt zu Recht eine konsequente Anerkennung dieser Wahrheiten und verortet im Free Banking einen möglichen Ausweg aus dem aktuell weltweit verbreiteten Geldsozialismus.

    Das Buch ist überaus erfrischend geschrieben und bietet auch dem wirtschaftlich und gesellschaftspolitisch wenig bewanderten Leser interessante Einblicke in das vielleicht überhaupt wichtigste Thema unserer Zeit. Kurz und knapp werden wesentliche Bereiche umrissen, zahlreiche und umfangreiche Zitate regen dazu an, an anderer Stelle vertiefend weiter zu lesen. Das Literaturverzeichnis ist eine einzige Fundgrube, bietet es doch eine solide Zusammenstellung vieler wichtiger libertärer Ökonomen und Freidenker der älteren und jüngeren Generation.

    Ich empfehle das neue Werk von Roland Baader als einen kompakten Einstieg in dieses Thema!

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